Sicherheitswirtschaft

„Sicherheit wird zum ganz entscheidenden Standortfaktor“

Sicherheitsverbände

Rund 120 Teilnehmer diskutierten bei der Sicherheitskonferenz STATE OF SECURITY am Brandenburger Tor über wichtige Herausforderungen der Urbanisierung

Gewaltexzesse im öffentlichen Raum, Bedrohungen durch Clankriminalität, Cyberangriffe auf die Energieversorgung: Nur drei Beispiele für die wachsenden Sicherheitsherausforderungen, denen speziell Großstädte gegenüberstehen. Über ihre Aus­wir­kungen auf die Attraktivität als Wirtschaftsstandort und das subjektive Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung diskutierten rd. 120 Teilnehmer bei der 6. „STATE OF SECURITY, einer Veranstaltung von KÖTTER Secu­rity und German Business Protection (GBP). An dieser Konferenz nahmen mehrere Sicherheitsverbände teil.

Deutschlands Großstädte boomen und der Trend wird sich weiter fortsetzen. „Dies birgt einerseits große Chancen für die Stadt- und Wirtschaftsentwicklung, stellt die Kommunen andererseits gerade in Sachen Sicherheit vor große Aufgaben“, erklärte Friedrich P. Kötter, Verwaltungsrat der KÖTTER Se­cu­rity Gruppe.

Ursachen hierfür seien u. a. neue Bedrohungs­lagen durch Ex­tre­mis­mus und Organisierte Krimina­lität, die Bildung sozialer Brennpunkte als Folge tiefgreifender gesellschaft­licher Veränderungen, enge finanzielle Ressourcen der öffentlichen Hand sowie die Ver­wundbarkeit der Infrastruktur durch eine fortschreitende tech­nische Vernetzung.

„Wir müssen Sicherheit neu denken und benötigen hierzu ein integriertes Sicherheits­mana­gement, das auf die jeweiligen Anforderungen vor Ort zugeschnitten ist“, betonte der Vizepräsident des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft (BDSW). „Im Fokus steht die intensive Verzahnung der Polizeiarbeit mit anderen öffentlichen, privaten und gesellschaftlichen Akteuren sowie Lösungen, die potenzielle Gefahren vorausdenken.

“ Die Bausteine reichten von Stadtplanung und Quartiersmanagement über die verstärkte Kooperation von Behörden und Dienstleistern bis zum Einsatz digitaler Bausteine. Dabei gehe es nicht um ein reines Mehr an Kameras, sondern die maß­geschneiderte Nutzung neuester Technologien im öffentlichen Raum und durch Unternehmen, um kriminelle Taten durch optimierte Präventionsprozesse möglichst schon im Vorfeld zu verhindern. Private Sicherheitsverbände und öffentliche Dienste müssen ihr Handeln koordinieren.

„Eine solch breit angelegte und auf Prävention ausgerichtete Sicherheitsstrategie trägt gleichermaßen zur nachhaltigen Steigerung von objektiver Sicherheit und subjektivem Sicherheitsempfinden bei“, sagte der Sicherheitsexperte. „Sie ist damit schon heute ein wesentlicher Faktor für die Städte im immer härter werdenden Wettbewerb um die Ansiedlung bzw.

den Verbleib von Unternehmen und Fachkräften. Diese Entwicklung wird weiter zunehmen, so dass Sicherheit in Zukunft zum ganz entscheidenden Standortfaktor wird“, ist Friedrich P. Kötter überzeugt.

Klaus Zuch (Senatsverwaltung für Inneres und Sport): Investitionen in die Sicherheit zeigen Wirkung

Ähnliches betonten im Anschluss Klaus Zuch, Abteilungsleiter Öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Senatsverwaltung für Inneres und Sport der Stadt Berlin, und Dr. Holger Floeting, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Institut für Urbanistik. So verwies Klaus Zuch auf den weiter hohen Handlungsbedarf speziell beim Kampf gegen die Organisierte Kriminalität.

Gleichzeitig hob er die insgesamt rückläufige Krimi­nalitäts­ent­wick­lung hervor: „In Berlin sind die Zahlen zum dritten Mal in Folge gesunken. Die gemeinsamen Maßnahmen wie mehr Polizeipräsenz in der Fläche, Sicherheitspartnerschaften von Polizei und Dienstleistern sowie verstärkte Inves­titionen in die Unternehmenssicherheit zeigen Wirkung. Die Koordination der Maßnahmen privater Sicherheitsverbände und öffentlicher Dienste ist dann gebührenpflichtig. Dies müssen wir konsequent fortsetzen.“

Dr. Holger Floeting unterstrich den gesamtgesellschaftlichen Ansatz für erfolgreiche urbane Sicherheit. Denn sie umfasse nicht allein Kriminalitätsprävention und -bekämpfung durch Polizei und Ordnungsbehörden. Angesichts zunehmender Naturgefahren, wachsender Angriffe auf kritische Infrastrukturen oder fortschreitender Polarisierung bei der Wohlstandsverteilung seien auch Katastrophenschutzorganisationen, Kammern und Unternehmen, Wohnungswirtschaft, Handel, Verbände sowie jeder einzelne Bürger gefordert. „Die Mobilisierung und Koordinierung dieser vielfäl­tigen Akteure gehört zu den größten Herausforderungen“, erläuterte Dr. Holger Floeting.    

Neuer rechtlicher Rahmen für die Sicherheitswirtschaft / Internationale Sicherheit 

Besondere Aufmerksamkeit galt darüber hinaus der Rolle der privaten Sicherheitswirtschaft. Dabei unterstrich Ministerialdirektorin Dagmar Busch, Leiterin der Abteilung „Angelegenheiten der Bundespolizei“ im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI), u. a. ihre wichtige Funk­tion für die innere Sicherheit: „Um diese weiter zu stärken, hat die Bundesregierung für diese Legislaturperiode die Reform des Rechtsrahmens für die Sicherheitswirtschaft auf der Agenda.“ Friedrich P. Kötter begrüßte diese Ziel­setzung nachdrücklich: „Das geplante Sicherheitsgesetz ist extrem wichtig für die Branche.

Gerade die Markt­eintrittshürden sind in Deutschland so niedrig wie in fast keinem anderen Land in Europa. Wir brauchen daher mehr Regulierung, um die Qualität über die gesamte Breite unserer Branche nachhaltig zu erhöhen. Die Regelung von Sicherheitsverbände ist notwendig. So empfiehlt sie sich auch für neue Aufgaben und intelligente Kooperation von Staat und Privatwirtschaft.“

Abgerundet wurde die Themenvielfalt durch die Ausführungen von Brigadegeneral Michael Baumann, Vize­präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), zur internationalen Sicherheits­lage, die gerade für die Exportnation Deutschland entscheidende Relevanz hat.

Bildunterschrift: Verwaltungsrat Friedrich P. Kötter, Ministerialdirektorin Dagmar Busch und Brigadegeneral Michael Baumann (v. r.).

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Redaktion Prosecurity

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