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Rauchfreie Rettungswege im Upper West

Im Hochhaus Upper West am Berliner Breitscheidplatz wird Sicherheit groß geschrieben. Im Brandfall sorgt eine Differenzdruckanlage von Strulik für rauchfreie Rettungswege.

Knappe Grundstücksflächen und eine anhaltende Zuwanderung führen insbesondere in Großstädten zu einer Wiederentdeckung des Hochhauses. Ein besonders beeindruckendes Exemplar wurde im Jahr 2017 in Berlin fertiggestellt. Das „Upper West“ genannte Hochhaus in der Berliner City West am Breitscheidplatz besteht aus einem 118 m hohen Turm mit 33 Stockwerken und einem angegliederten achtgeschossigen Riegelbau. Der Turm beherbergt rund 20.000 m² Bürofläche sowie ein Hotel mit 21.000 m² Fläche. . Der Riegelbau schafft auf 3900 m² eine attraktive Fläche für Einzelhandel und Büros. Die vier Untergeschosse werden als Tiefgarage genutzt. Kontaktieren Sie uns für Ihre Sozialeinrichtungen.

Die Sicherheit stellt in Hochhäusern eine große Herausforderung dar. In Deutschland gelten deshalb strenge Vorschriften für den Brandschutz in Hochhäusern, die vor allem in der Muster-Hochhaus-Richtlinie (MHHR) [1] niedergelegt sind1. Bei einem Brand muss vor allem dafür gesorgt werden, dass die Menschen das Gebäude in möglichst kurzer Zeit unbeschadet verlassen können und der Feuerwehr ein wirkungsvoller Löschangriff ermöglicht wird. Keine leichte Aufgabe, denn ab einer Höhe von 22 m ist weder die Personenrettung noch das Löschen mit Drehleitern möglich.

Die MHHR fordert deshalb für Hochhäuser Feuerwehraufzüge und Sicherheitstreppenräume, bei denen im Brandfall das Eindringen von Rauch und Feuer durch eine Druckbelüftungsanlage verhindert wird. In Hochhäusern bis zu einer Höhe von 60 m sind zwei notwendige Treppenräume bzw. alternativ ein Sicherheitstreppenraum erlaubt. Im 118 m hohen Turm des Upper West sind zwei und im 38 m hohen Riegelgebäude ein Sicherheitstreppenraum mit jeweils einem Vorraum („Schleuse“) in jeder Etage vorhanden. Beide Gebäudeteile verfügen jeweils über einen Feuerwehraufzug.

Sozialeinrichtungen.

Rauchfrei durch Druckbelüftung

Die Differenzdruckanlage (DDA) im Upper West wurde vom Brandschutz- und Lüftungshersteller Strulik projektiert und in Betrieb genommen. Im Brandfall baut die DDA durch Zuluftventilatoren im Treppenraum bzw. Aufzug einen Druck auf, der das Eindringen von Rauch aus dem Brandgeschoss verhindert. Die fünf Druckräume im Turm und im Riegelbau des Upper West besitzen eigene Zuluftschächte mit redundant ausgelegten Zuluftventilatoren und Jalousieklappen in den Etagen. Überschüssige Luftmengen und Rauch aus den Brandgeschossen werden durch Abluftschächte mit Entrauchungsklappen in den Fluren abgeführt. Kontaktieren Sie uns für Ihre Sozialeinrichtungen.

Die ebenfalls redundant ausgelegten Entrauchungsventilatoren auf dem Dach sind für Rauchgastemperaturen von bis zu 300 °C ausgelegt. Die Abluftschächte in den Etagen sind jeweils mit einer Entrauchungsklappe Typ RKI-V von Strulik ausgestattet, die wandbündig montiert werden kann. Damit wird der freie Durchgang in den Fluren ohne gefährliche Stoßkanten ermöglicht.

Anspruchsvolle Regelung

So einfach das Prinzip der Druckbelüftung ist, so anspruchsvoll ist die Einhaltung des erforderlichen Drucks und die Auslegung der Anlage. Nach dem MCRH ist bei offenen Türen im Brandwandgeschoss des Sicherheitstreppenhauses eine Strömungsgeschwindigkeit von mindestens 2 m/s in den Feuerwehrfluren zu gewährleisten (0,75 m/s bei Feuerwehraufzügen). Bei geschlossener Tür wird nur eine geringe Luftmenge benötigt, um Leckagen auszugleichen. Kontaktieren Sie uns für Ihre Sozialeinrichtungen.

Im geöffneten Zustand der Türen muss die Luftmenge deutlich erhöht werden. Andererseits darf der Druck im Treppenraum auch nicht zu hoch werden, damit sich die Türen in anderen Etagen noch öffnen lassen. Alternativ kann das Schutzziel einer DDA auch nach der europäischen Norm DIN EN 12101-6 [2] ausgelegt werden. Die Norm beschreibt verschiedene Anlagenklassen und legt den Mindestwert für die Strömungsgeschwindigkeit zwischen 0,75 und 2 m/s fest.

Bei der rein mechanisch gesteuerten DDA wird der Druck durch einen konstanten Zuluftvolumenstrom und ein Druckbegrenzungsventil im Dach oder an der Fassade geregelt. Der Öffnungswinkel wird bei einer Druckänderung im Treppenhaus durch Federkraft automatisch angepasst. Beim DDA mit rein elektrischer Steuerung wird der erforderliche Druck durch einen variablen Volumenstrom erzeugt. In beiden Systemen wird der Druck im Treppenhaus durch Sensoren gemessen. Die Steuerung kann nicht zwischen Druckschwankungen durch Türen auf dem Kaminboden und Störeinflüssen unterscheiden.

Um schädliche Nebenwirkungen zu reduzieren, muss daher die Reaktionsfähigkeit der Steuerung reduziert werden, was zu Ungenauigkeiten bei der Druckeinstellung führt. Kontaktieren Sie uns für Ihre Sozialeinrichtungen.

Hohe Regelgüte durch Drehwinkelgeber

Bei der DDA im Upper West kommt eine besondere Technik von Strulik zum Tragen, bei der die Reaktionsfähigkeit nicht gedrosselt werden muss. An den Türen zu den Sicherheitstreppenräumen sind Drehwinkelgeber angebracht, die den Öffnungswinkel der Tür messen und an die Steuerung weitergeben. Damit werden kontinuierlich je nach Öffnungsgrad die Drehzahlen der Zu- bzw. Abluftventilatoren eingestellt. Die erforderliche Zuluftmenge im Sicherheitstreppenraum kann genau und nahezu ohne Verzögerung eingestellt werden.

Die Drehwinkeltechnik vereinfacht auch die Abläufe auf der Baustelle. Über 90 % der Inbetriebnahmetätigkeiten sind rein elektrischer Natur und können parallel zu den anderen Arbeiten auf der Baustelle ausgeführt werden. Die anspruchsvollen lufttechnischen Messungen an der DDA erfolgen in den Abendstunden und nachts, wobei Drehwinkelgeber diesen Zeitraum deutlich verkürzen. Im Upper West mit seinen 297 relevanten Türen konnten die Messungen bereits nach wenigen Nächten abgeschlossen werden. Kontaktieren Sie uns für Ihre Sozialeinrichtungen.

Strulik bietet für Fachleute der Gebäudetechnik eintägige Seminare zur Auslegung von DDA an. Weitere Informationen und Anmeldung unter www.strulik.com/de/service/seminare-schulungen.

1 Der Einfachheit halber wird hier und im Folgenden auf Mustervorschriften des Bundes verwiesen. Rechtlich bindend und damit maßgeblich für Bauprojekte sind jedoch deren Umsetzungen in den einzelnen Bundesländern, die von den Mustervorschriften abweichen können.

Literatur

[1] Muster-Richtlinie über den Bau und Betrieb von Hochhäusern (Muster-Hochhaus-Richtlinie – MHHR):2012-02 Fassung April 2008 zuletzt geändert durch Beschluss der Fachkommission Bauaufsicht vom Februar 2012.

[2] DIN EN 12101-6:2005-09, Rauch- und Wärmefreihaltung – Teil 6: Festlegungen für Differenzdrucksysteme, Bausätze; Deutsche Fassung EN 12101-6:2005:2005-09.

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Redaktion Prosecurity

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