Öffentliche Sicherheit

Zwischen Anschlägen, Anlegern und Alleinherrschaft

Unternehmen, die sich in der Türkei engagieren, müssen auf eine Vielzahl von Gefahren vorbereitet sein. Die Türkei beherrscht seit Monaten die Schlagzeilen. Das Land befindet sich im Konflikt mit mehreren Staaten und Akteuren: Russland, Syrien, Kurden und der Terrormiliz Daesh („Islamischer Staat“).Durch diese Konflikte steigt das Sicherheitsrisiko im Land: „Angesichts der Anschläge in Istanbul und Ankara muss in der gesamten Türkei grundsätzlich mit einer terroristischen Gefährdung gerechnet werden“, sagte Burak Çopur, Politikwissenschaftler und Türkeiexperte an der Universität Duisburg-Essen gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“. Noch aber scheuen sich Politik und Verbände, die Entwicklungen in der Türkei, wie sie sich mit dem Kurs von Präsident Erdoğan anbahnen, mit allen Konsequenzen zu benennen.

Zu sehr miteinander verwoben sind bereits die Beziehungen zahlreicher deutscher Unternehmen mit der aufstrebenden eurasischen Wirtschaftsmacht. „Deutschland ist das führende Herkunftsland von ausländischen Direktinvestitionen in der Türkei, sowohl was die Dauer der Präsenz als auch was die Zahl der beteiligten Unternehmen anbelangt. Derzeit existieren rund 6.000 deutsche Unternehmen bzw. türkische Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung in der Türkei“, listet man im Auswärtigen Amt in Berlin auf.

SCHATTIG-ATTRAKTIV

„Deutsche Unternehmen, die seit vielen Jahren vor Ort sind“, beruhigt Jan Nöther, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer, seien „durch verschiedene – auch wirtschaftlich geprägte – Krisen gegangen.“ Sie hätten immer, so der „Wirtschaftsdiplomat“ im Gespräch mit SECURITY insight, „das starke Fundament, das es in den Beziehungen, die es zwischen türkischen und deutschen Unternehmen gibt, gehabt.“ Dies basiere auf langjährigen Kooperationen. Die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Dekaden sei „eine sehr positive“. Insofern haben, so Nöther, „politische Entwicklungen diese Zusammenarbeit und die Tätigkeit insgesamt nicht signifikant beeinträchtigt.“ Das beachtliche Wirtschaftswachstum hat die Türkei in den vergangenen Jahren für viele deutsche Unternehmen attraktiv gemacht, auch wenn die Schattenseiten unübersehbar sind. „Der türkische Markt bietet erhebliche wirtschaftliche Potenziale, aber auch Risiken, die von Unternehmen nicht beeinflussbar sind“, konstatierte vor kurzem die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers. Doch das Engagement am Wirtschaftsstandort Türkei hat seinen Preis, nicht erst in jüngster Zeit. „Deutsche Unternehmen mit Produktionsstätten in der Türkei haben nach den neuen Bombenanschlägen in Istanbul mit mehr als zwei Dutzend Todesopfern ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärkt“, schrieb das Handelsblatt – im November 2003. Die folgenden Jahre relativer Ruhe haben der Türkei einen wirtschaftlichen Aufschwung gebracht.

Die vergangen eineinhalb Jahre jedoch haben das Land verändert. Die jüngsten politischen Entwicklungen, die direkt mit der Person von Recep Tayyip Erdoğan in Verbindung gebracht werden, werden in der EU jedoch mit Sorge betrachtet. Sein Vorgehen gegen den so genannten Islamischen Staat (IS) und die Kurden hatten Anschläge im Land zur Folge. Der Konflikt mit Russland hatte einen dramatischen Einbruch bei den Touristenzahlen zur Folge. Auch aus Westeuropa sind die Touristenströme geringer geworden, eine Folge der Angst vor Terroranschlägen. Die Tourismusbranche – überall auf der Welt ein empfindlicher Seismograf für politische Eruptionen – gilt als erste Leittragende des politischen Klimawechsels in Ankara.

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Redaktion Prosecurity

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